Ich war letzten Freitag auf der Frankfurter Buchmesse. Ich versuche schon seit Jahren, mal hinzufahren, aber irgendwie ist immer wieder etwas dazwischen gekommen. Diesmal hat es jedoch geklappt - und die Sache hat sich eindeutig gelohnt! Einige interessante Gespräche geführt, einige lustige Leute gesehen und überteuerte Brezeln gegessen. Und natürlich insgesamt knapp 7 Stunden Zugfahrt, die ich mir mit pseudo-intellektuellen Zeitschriften und deutschem Indie-Pop (Hinfahrt) und Hin-Und-Weg-Von-Ralph-Ruthe-Sein (Rückfahrt) versüßte.
Die Zugfahrt startete um 5:03h (Yeeeeeah) und verlief ereignislos. Frankfurt begeistert mich übrigens, man hat sogar an der U-Bahn-Haltestelle volles Handynetz! Gleiches gilt für die Messehallen, was wohl mit ein Grund dafür war, dass etwa 120% aller Besucher ein Smartphone oder iPad in der Hand hatten. Man will ja wichtig wirken, und viele waren es vermutlich sogar wirklich.
Als erstes habe ich mir mal einen groben Überblick über die Messe verschafft und mir die diversen Hallen angeschaut, um dann schließlich zum ersten geplanten Vortrag zu gehen - “Wer Verticken will, muss freundlich sein”. Selbständige wie ich müssen sich ja ständig vermarkten, da fand ich die Idee des sog. “Flirt-Marketings” ganz interessant. Die Idee ist auch immer noch interessant, aber der Vortrag war eher durchschnittlich. Nunja.
Danach erst mal was zu trinken organisiert und eifrig SMS mit einer Freundin geschrieben, die auch auf der Messe war und die ich zwischendurch auch mal treffen wollte. Hat effektiv auch geklappt, hat aber ewig gedauert, weil wir dauernd irgendwelche Termine hatten. Mein nächster war eine Diskussion im Übersetzer-Bereich, vorher bin ich jedoch mal durch die internationale Literatur gewandert und habe mich relativ lange mit der Dame am winzigen Kuba-Stand unterhalten. War schön, mal wieder richtig Spanisch zu sprechen, sollte ich öfter tun. Zwischendurch habe ich mir noch den gläsernen Übersetzer angesehen - was relativ langweilig war. Der Mensch saß halt mit Wörterbuch und Laptop bewaffnet rum und… übersetzte. Wow! Kenn ich aus eigener Erfahrung, musste ich mir ergo nicht länger als 3 Minuten ansehen.
Die Diskussion, zu der ich dann ging, handelte von Wörtern, die man nicht im Wörterbuch findet und wie man damit umgeht. Eigentlich ganz interessant, aber das Thema war nach 10 Minuten abgehandelt und danach redeten die Herrschaften eher über Sachen, die mich nicht so interessierten… habe mich dann gekonnt entfernt und ausführliche Rundgänge durch die Hallen mit Literatur- und Sachbüchern gekämpft.Und Kunstbüchern. Und… allem. Teilweise auch schon vorher, aber die genaue Reihenfolge hab ich verdrängt.
Nächster Termin für mich war die Signierstunde von Ralph Ruthe… Joscha Sauer hätte ich zwar auch mal interessant gefunden, aaaaber: Erstens find ich den im Vergleich zu Ruthe und anderen jetzt doch gar nicht soooo unsagbar cool, zweitens hat mich die Durchsage, die die Signierstunde ankündigte, etwas genervt. Man sollte ne halbe Stunde vor Beginn da sein und ein Nümmerchen ziehen. Herr Sauer signiert nämlich nur genau 50 Bücher. Hurra. Nümmerchen.
Zwischendurch habe ich dann tatsächlich noch besagte Freundin getroffen, mich über Lehrmaterialien informiert und Brezeln konsumiert. Denn: Bei kulturellen Events werden verdammt noch mal Brezeln gegessen!
Um kurz vor 16.00 Uhr dann zu Ralph Ruthe - und er ist jetzt verdammt nochmal höchst offiziell mein Lieblings-Comic-Zeichner! Erstens macht er ja generell geniale Sachen, zweitens ist er einfach verdammt nett. Ich hatte nämlich den Plan gefasst, einem Freund zum Geburtstag ein Buch von Ruthe zu vermachen… und wenn man schonmal da ist, kann man ja mal anfragen, ob der Herr Ruthe auch zwei Bücher signiert. Ich bin ehrlich gesagt davon ausgegangen, dass er es nicht tut - bzw. dass sowas kommt wie “Jaaaa, signieren kann ich beide, aber es gibt nur eine Zeichnung.” Kam nicht. Ich hab ganz ganz ganz nett gefragt, ob er nicht vielleicht noch ein zweites Buch signieren könne so als Geburtstagsgeschenk und so… “Ja, klar!” Coole Sache. Während des Signieren dann ein bisschen mit Ruthe geplaudert, sehr nett, der Mann. Und zeichnet verdammt beeindruckend freihändig! Begeisterung!
Danach nochmal kurz mit o.g. Freundin gelabert und zum letzten geplanten Termin, Vortrag über Rosetta Stone. War auch ganz interessant. Danach raus, in die wirklich winzige Straßenbahn, noch schnell zu Starbucks und im Zug nach Hause.
Zu Hause Menschen begrüßt und dann ins Bett gefallen. Und verdammt gut geschlafen.
Schöner Tag, weiter so (und viele Grüße aus… naja, lassen wir das). Und dieser Bericht enthält verdammt oft das Wort “verdammt”. Naja, was soll’s.